Kinectrument

Interaktiv-audiovisuelle Musikumgebungen


MultiMultiTouchTouch-Interface von Tim Thompson (Interview von Marc Mosher)

Der Informatiker und Künstler Tim Thompson hat ein ziemlich beeindruckendes Musikinterface entwickelt, das auf der Bewegungssteuerung der Kinect-Hardware basiert. Hinter dem etwas sperrigen Arbeitstitel seines MultiMultiTouchTouch-Interfaces, das er mittlerweile als “Space Palette” bezeichnet, verbirgt sich ein Rahmen, in dem vier einzeln erfassbare Felder Handbewegungen in Musik verwandeln.

MultiMultiTouchTouch offers players any number of arbitrarily-shaped multitouch areas with three-dimensional spatial control. Interaction with this space allows users to control and play virtual synthesizers using nothing but a Microsoft Kinect as the controller. (via)

Thompson ist einer von vielen Künstlern und Entwicklern, die mit der Kinect als Musikinstrument experimentieren. Seit der Veröffentlichung des Kinect-Sensors, des darauffolgenden Hacks der dazugehörigen Software, der Bereitstellung von Open-Source-Treibern und der späteren offiziellen Freigabe der Entwicklungsumgebung rund um den Microsoft-Controller, entstand eine Vielzahl von kreativen Anwendungen, die über den Nutzen des Gerätes als Spielecontroller weit hinaus gehen.

Ich bin sehr gespannt, welche interessanten Mashup-Genres aus Musik, Theater, Choreographie, Tanz, Performance und Installation sich in den nächsten Monaten und Jahren mithilfe dieser Technik entwickeln werden. (Einige Beispiele nach dem Klick)  

Wie schwer ist eigentlich das Internet?

150 Gramm Gehacktes?

Auch wenn die Daten des im oben eingebetteten Videos nicht die aktuellsten sind, die folgenden Überlegungen, die vsauce visualisiert hat, sind höchst interessant: Das Internet besteht aus digitalen Informationen, also aus Bits. Diese wiederum sind nichts anderes als elektrische Zustände in physischen Datenträgern. Findet man heraus, wie viele Elektronen nötig sind, um ein Bit bzw. Byte zu erschaffen, lässt sich durch eine simple Multiplikation der Elektronenmasse mit den im Netz zirkulierenden Daten das Gewicht des Internets errechnen. Ohne jetzt zu viel zu verraten… es ist sehr viel weniger als man denkt. (via Open Culture)

Unser Geist in der Maschine

Flüchtige Gedanken zur Mensch-Maschine

Foto: Gehirnähnliche Muster in elektronischen Schaltkreisen CC BY-SA Flickr/Osamu Iwasaki
Foto: Gehirnähnliche Muster in elektronischen Schaltkreisen CC BY-SA Flickr/Osamu Iwasaki

Mensch und Maschine kommen sich näher. Denn die zunehmende Anzahl von Alltagssensoren in Smartphones gibt den Geräten nicht nur bessere Kenntnisse über unsere Umwelt; Sie lernen auch uns immer besser kennen. Der Blick in den Datenstrom des eigenen Körpers wird bald so normal sein wie der Blick in den Nachrichtenstrom des Netzes.

Ich kann mich noch vage an mein erstes Mobiltelefon erinnern. Monochromes Display, ein auf 100 SMS limitierter Speicher und eine handvoll Klingeltöne, deren Sounddesign in meiner Erinnerung dem Gefühl nahe kommt, das entsteht, wenn Fingernägel an Schultafeln entlang schaben. Die Notwendigkeit eines solchen Gerätes ergab sich mir nicht. Was mich interessierte, war das Internet, das in dieser Zeit in meiner Wahrnehmung in keinerlei Hinsicht mit dem Mobiltelefon verknüpft war. Denn das Netz kam aus einer anderen piepsenden, etwas größeren Plastikbox. Sie stand auf meinem Schreibtisch, neben dem 14 Zoll großen Röhrenmonitor, der mir in 256 schillernden Farbabstufungen das von Wackelbildern dominierte World Wide Web präsentierte.


Ein wachsendes Phänomen, das Internet (TV-Bericht von 1993) | Youtube/ChrisboxDOTcom

In den wenigen Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich nicht nur die Technologie verändert – auch mein Selbst-, Menschen- und Weltbild ist ein anderes geworden. Es steht in einem engen Zusammenhang mit der technischen Entwicklung, die mich umgibt. Die Rechenleistung und Sensorik meines aktuellen Smartphones übersteigt meine damalige Vorstellung von Computer- und Netzwerkarchitektur bei Weitem. Hätte mir jemand erzählt, dass Gigahertz starke Doppelkernprozessoren, mehrere tausend Megabyte große Speicher, Audio- und Videofunktion, Ortungschips, Funk- und andere Kommunikationsschnittstellen, Bewegungs- und Lagesensoren und berührungsempfindliche Oberflächen in nur wenige Kubikzentimeter passen – ich hätte ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Dasselbe gilt übrigens für das Maß der heute vorherrschenden digitalen Vernetzung und der Quasi-Aufhebung von Privatheit.

Die Wahrnehmung Digitaler Nähe
Heute hat die Technologie und besonders das Netz eine unterbewusste Omnipräsenz erreicht. Die Trennung von Mobiltelefon und Internet, die noch vor einigen Jahren vorherrschte, ist aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar, genauso wie es für viele Menschen überhaupt unvorstellbar geworden ist, in einer Welt zu leben, in der es kein Netzzugang gibt. Die Maschine wird zunehmend unsichtbar und integriert sich immer mehr in unseren Alltag und damit in uns selbst. Sie assimiliert uns oder erweitert uns, je nachdem aus welchem Blickwinkel man sie betrachtet. Diese Entwicklung ist jedoch recht neu, denn der Beginn der Digitalisierung war stets mit einer Schranke verbunden, die zwischen uns und der Maschine existierte. Die Größe der Rechner, mit denen wir interagierten und die Interfaces, mit denen wir arbeiten mussten, waren so ausgelegt, dass wir uns der Maschine anpassen mussten. Wir waren dazu gezwungen, ihre Sprache zu lernen, uns nach ihren Regeln zu richten. Heute hört die Maschine uns zu. Sie hat gelernt, sich dem Menschen anzupassen. Diese neuentstandene Nähe wird uns erst langsam bewusst. Während die frühe digitale Technik uns von uns selbst entfernte, indem sie uns dazu zwang uns ihren (unmenschlichen) Regeln zu unterwerfen, ermöglichen moderne Interfaces eine zunehmend beobachtbare Verschmelzung von Mensch, Technik und Netz. Das erzeugt eine neue Nähe zu uns selbst.

Smartphones und Tablets bieten nicht nur einen Blick in die Welt, sondern auch einen Blick in uns. Es entsteht eine Art digitales Spiegelbild. Diese Erkenntnis ist noch längst nicht überall angekommen. Denn zum Großteil nutzen wir Technologie, um unseren Blick nach außen zu erweitern. Wetter, Straßenkarten, Email, News – der extern gelieferte Nachrichtenstrom ist immens. Dass wir ebenso faszinierende und für uns selbst wichtige Datenlieferanten sind, wird erst langsam klar. Denn immer mehr Gadgets ermöglichen eine detaillierte Selbstbeobachtung. Wie oft bewege ich mich und wie viele Kalorien verbrenne ich wahrscheinlich dabei? Wie hat sich mein emotionaler Zustand in den letzten 3 Monaten verändert? Wie sieht mein Schlafrhythmus aus, mein Puls, meine Lungenfunktion? All das kann ein Smartphone mit entsprechenden Apps und Zusatzgeräten bereits heute erfassen. Und es kommt bald mehr dazu. Wer glaubt, dass Microsofts Controllerlose Körperbewegungssteuerung Kinect (und dessen Erweiterungen) bereits nach wahrgewordener Science Fiction klingt, der sollte sich die aktuelle Entwicklung im Bereich der Brain-Computer-Interfaces anschauen. Bald werden wir die ultimative menschliche Schnittstelle der Maschine und dem Netz zu Verfügung stellen, unser Gehirn.


Helikoptersteuerung mit Gehirn-Computer-Schnittstelle | Youtube/Rich1176

Rund um das EEG-Messgerät Emotiv EPOC hat sich bereits heute ein vitaler App-Markt entwickelt. “Based on the latest developments in neurotechnology, the Emotiv EPOC is a revolutionary, new personal interface for human computer interaction”, wirbt der Hersteller. Per Gedanken Computerspiele steuern, kleine Flugroboter beherrschen und das eigene Gehirn beim Arbeiten beobachten, all das ermöglicht dieses Interface. Und zwar Jetzt! Und dabei handelt es sich nicht um unbezahlbare Forschungsgeräte. Das Emotiv-Headset kostet gerade mal 300 US-Dollar. Noch günstiger und individuell anpassbar sind die Modelle der Open Source Welt. Bereits heute entsteht eine Vielzahl von Interfaces, die ein Data-Mining des Hirns ermöglichen. Mit der Methode des Neurofeedbacks ist zudem auch ein Art “Schreibvorgang” möglich, der durch eine visuelle Wahrnehmung und dadurch resultierenden Rückmeldung des eigenen Hirnstrommusters die Selbstregulationsfunktion des Gehirns anspricht. Werden diese an sich simplen technischen Sensoren in zukünftige Smartphones oder entsprechende Addons verbaut, nimmt die bereits begonnene Erweiterung des Menschen eine neue Dimension an.

Zwischen Selbstoptimierung und Totalüberwachung
Der Blick in den Datenstrom des eigenen Körpers wird bald so normal sein wie der Blick in den Nachrichtenstrom des Netzes. Hirndaten werden den Alltag prägen. Ein aktuelles Beispiel liefert der EEG-Fahrradhelm des MIT Media Lab, der bei einem konzentrierten Fahrer grün leuchtet und bei Unsicherheit oder Angst rot blinkt und damit andere Verkehrsteilnehmer warnt. Auch Kunst und Kultur werden sich verändern. Das Gehirn ist das einzig wahre Instrument, schreibt unter anderem Lee Sankey in seinem Buch “Brainstruments“. Das zeigt der Norweger Mats Sivertsen bereits im Ansatz heute mit seinem SubCONCH-Projekt, das Hirnwellen in Töne verwandelt.

Bald wird mir das Smartphone sagen, wann ich meine produktivste oder kreativste Phase haben werde, wann ich eine Ruhepause brauche, was mir helfen wird, mich zu entspannen. Die individuellen Körperdaten werden in der Cloud mit Daten aller User korreliert, so optimiert sich der Empfehlungsalgorithmus eigenständig. Der Echtzeit Lifestream ins Netz verknüpft mich außerdem mit Personen, mit denen ich “auf einer Wellenlänge” bin. Dank einer entsprechenden Facebook Mind-App ist das kein Problem. Das Konzept des Social Graphs wird demnach um eine wichtige Komponente erweitert. Facebook wird wissen was uns wirklich gefällt und die Produkthersteller werden ebenso genau wissen, wie sie unser Gehirn zum Kaufakt stimulieren können. Bei Google+ wird es Brain-Circles geben und die IP-Adresse des Android-Smartphones wird an die Hirnwellensignatur des Nutzers gekoppelt. Die Unlock-Funktion geschieht ausschließlich per Hirnwellenabgleich. Die Pseudonym-Diskussion hat sich damit endgültig erledigt, denn jeder Mensch ist identifizierbar geworden. Apple bietet die komfortabelsten Brain-Interfaces, den iMind, und erweitert seinen Appstore mit dem Patent der iFeelings. Ein Tag glücklich sein kostet 99 Cent, das Jahresabo 99 Euro. Damit steht Apple im harten Konkurrenzkampf mit den ehemaligen Pharmaunternehmen, die ihrerseits virtuelle Glückspillen im App-Format verkaufen. Auch der Staat mischt mit und verpflichtet alle Smartphonehersteller zur Implementierung des neuen Staatstrojaners, die App überwacht Hirnströme und etabliert ein revolutionäres Präventivkonzept für mehr Sicherheit: Automatic Distributed Sanctions bei abweichendem Verhalten und Denken.

Life in a Day

Youtube-Doku endlich im Netz

Die crowdgesourcte Youtube-Dokumentation “Life in a day” ist knapp 15 Monate nach dem Drehtag am 24.07.2010 nun auch endlich im Netz zu sehen. Auch wenn das Urteil über den Film vielerorts negativ ausfällt, meine Empfehlung bekommt er.

The film is 94 minutes 57 seconds long and includes scenes selected from 4,500 hours of footage in 80,000 submissions from 140 nations. The completed film debuted at the Sundance Film Festival on January 27, 2011 and the premiere was streamed live on YouTube. On October 31, 2011, YouTube announced that Life in a Day would be available for viewing on its website free of charge, and on DVD. (WP)

Freie Halloween Musik

Creative Commons Musikmix vom Free Music Archive

Foto: CC-BY Flickr/Infrogmation
Foto: CC-BY Flickr/Infrogmation

Irene Rible vom Free Music Archive hat mit Hilfe der FMA-Community einen bunten Halloween-Musik-Mix diverser Creative Commons lizensierter Songs zusammengestellt. Wem die 21 Stücke der diesjährigen Sammlung nicht genug sind, der findet in den Halloween-Mixes von 2010 und 2009 noch mehr musikalische Halloween-Anregung.

The FMA returns this year with more legal downloads for the Halloween holiday. This time around we’ve got some sinister classical favorites, 8bit Dario Argento film scores, Peter Lorre interpreted via twisted circuit benders, and some frighteningly bad tunes from America’s premier mass murdering folk troubadour. [FMA]

Sounds aus aller Welt

Freie Netzmusik im 48sten FreeQuency-Podcast

Bild: CC-BY Flickr/Kate* + Screenshot wordle.net*
Bild: CC-BY Flickr/Kate* + Screenshot wordle.net


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Das Netz und dessen Sinnbild eines globales Dorfes bewahrheitet sich besonders beim Eintauchen in die Netzmusikwelt. Vor ein paar Jahren wäre es so gut wie unmöglich gewesen an Triphop aus Equador zu kommen oder an kleine Coversongs unbekannter Künstler, die sich an große 60er-Jahre-Klassiker wagen, oder skandinavisch anmutende Herbst-Klänge aus dem sonnigen Florida zu erhaschen. Das Netz macht all das möglich. Diese großartige Selbstverständlichkeit vergessen wir immer wieder. FreeQuency hält an der musikalischen Lobpreisung der Netzmusik fest. Aktuell in der 48sten Episode. (Jeden vierten Donnerstag im Monat auch im Livestream auf Byte FM zu hören)  

Kollaboratives Peer-Review Konzept

Das Hypothes.is Projekt

Bei der Menge an Inhalten im Netz fällt es immer schwerer den Überblick zu wahren, festzustellen wo eine Nachricht herkommt, ob ein Fakt wirklich ein Fakt ist und wie sich die Diskussion einen Themas entwickelt. Ein und dasselbe Thema kann an verschiedensten Orten im Netz geführt werden und selbst wenn eine Diskussion auf einer einzelnen Plattform geführt wird, ist es mit sehr viel Aufwand verbunden, die oft ausschließlich chronologisch angeordneten Kommentare inhaltlich zu erfassen und nachvollziehen zu können.

All diese Probleme will das Hypothes.is Projekt lösen. Mit einer Art kollektivem Peer-Review- und Annotationsprozess soll die Echtheit eines Fakts bestätigt werden können. Mit einer speziellen Laufleiste, die per Overlay-Funktion in Webseiten “eingebunden” werden kann, will das ambitionierte Projekt Kommentare einer beliebigen Diskussion im Netz nach inhaltlichen Übereinstimmungsmerkmalen sortieren und entsprechend nachvollziehbar visualisieren. Als Endprodukt soll eine “open-source, community-moderated, distributed platform for sentence-level annotation of the Web” entstehen.

Hypothes.is will be a distributed, open-source platform for the collaborative evaluation of information. It will enable sentence-level critique of written words combined with a sophisticated yet easy-to-use model of community peer-review. It will work as an overlay on top of any stable content, including news, blogs, scientific articles, books, terms of service, ballot initiatives, legislation and regulations, software code and more-without requiring participation of the underlying site.

Für die technische und konzeptionelle Umsetzung dieser Idee sammeln die Macher und Initiatoren zur Zeit 100.000 US-Dollar auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Involviert sind u.a. John Perry Barlow (EFF) und Brewster Kahle (Internet Archive) sowie weitere Netzpersönlichkeiten, die mit ihren Projekten und Produkten an der Zukunft eines offenen und freien Netzes arbeiten.


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