FreeQuency 01/2012 Ludwig Special

Foto: Ludwig / ludwig.bandcamp.com
In der ersten FreeQuency-Sendung in 2012 besuche ich für ByteFM die Berliner Band Ludwig und spreche mit Sänger Peter Dick und Gitarrist Petja Bartels über das jüngste Schaffen der DIY-Spezialisten, das sie in Form ihres Debutalbums “Koltrast” bei dem Münchner Netlabel Aerotone veröffentlicht haben. In der Sendung werden 8 Songs des Debuts präsentiert und diverse Indiemusikerthemen abgehandelt. Wie nimmt man ein Album in Eigenregie mit kleinstem Geldbeutel auf und lässt es dabei trotzdem professionell klingen? Wo liegen die Unterscheide zwischen Kelleraufnahmen im Do It Yourself Stil und der Arbeit in einer professionellen Studioumgebung? Was bedeutet eigentlich der Begriff des Albums heutzutage und wie ändert das Netz die eigene künstlerische Identität? Diese und weitere Fragen werden in dem einstündigen FreeQuency Ludwig-Special am 19.01.2012 um 13 Uhr thematisiert. (Im Anschluss steht die Sendung als Podcast (Update: Direktlink zum MP3) im Netz)
Hier schon vorab die Playlist der Sendung und ein kleiner Teaser:
01. What It Is
02. All In A Tremble
03. Beans
04. Lost To Words
05. Reflections & Errors
06. Reset
07. Get Your Push
08. Bowled Over
Das Ludwig-Debutalbum “Koltrast” steht auf folgenden Seiten frei im Netz und wird von der Band unter einer CC-BY-NC-SA Lizenz zur Verfügung gestellt:
http://www.ludwig-music.com
http://www.aerotone.net/release/6/ludwig-koltrast
Herbstklänge
ByteFM FreeQuency Podcast Folge 49

Foto: Herbsthimmel CC-BY Flickr/bortescristian
Der kühle, graue Herbst ist da und wird vorerst auch bleiben. Der 49ste FreeQuency-Podcast verstreut ein paar musikalische Sonnenstrahlen, die Dank der Band Conveyer und ihrer “Sun Ray EP” beinahe plastische Formen annehmen. Außerdem gibt’s wärmende Folksongs von The Black Atlantic und Soledad Vélez. Und da auch Strom wärmen kann, wird’s am Ende elektronisch mit Anon, Felix Green und einem Dad Rocks! Remix.
Playlist/Downloads/Info:
Conveyer – Sun Ray CC | DOWNLOAD
Conveyer – Yes, Some Things are so heavy CC | DOWNLOAD
Kyle McDonald – The Perfect Human CC | DOWNLOAD
The Black Atlantic – The Flooded Road CC | STREAM | BEEP BEEP
Soledad Vélez – Animals CC | DOWNLOAD
Soledad Vélez – Josephine CC | DOWNLOAD
Tiny Mountains – Local Honey CC | DOWNLOAD
The Toothaches – Sisyphus CC | DOWNLOAD
The Toothaches – Don’t be lonely CC | DOWNLOAD
Ana Threat – I can only give you everything CC | DOWNLOAD
Tiger Waves – Down Down Down CC | DOWNLOAD
Tiger Waves – In, Out And Around CC | DOWNLOAD
Anon – Bite The Hand CC | DOWNLOAD | BAD PANDA RECORDS
Felix Green – Knight Of Swords CC | DOWNLOAD | BAD PANDA RECORDS
Dad Rocks! – Funemployment (Future Wife Remix) CC | DOWNLOAD
Wir kennen uns. Wahrscheinlich.
Facebook und die Small World Theorie

Bild: CC-BY Flickr/Travel 2.0
Das Kleine-Welt-Phänomen ist bereits seit Jahrzehnten bekannt, zumindest als Gedankenexperiment. Wir sind alle miteinander verbunden und kennen uns mehr oder weniger indirekt, über Freunde von Freunden, die wiederum Freunde haben, die Freunde kennen, mit denen wir indirekt eine Bekanntschaftsbeziehung haben. 1967 versuchte der amerikanische Sozialpsychologe Stanley Milgram erstmals dieses Gedankenexperiment mithilfe von Kettenbriefen in der Realität zu überprüfen. Seine Schlussfolgerung besagt, dass soziale Akteure über eine überraschend kurze Kette von gerade mal sechs Beziehungen miteinander verbunden sind.
In Zeiten von Sozialen Netzwerken lassen sich diese sozialen Verknüpfungen natürlich sehr viel leichter analysieren und genau das hat ein Team bei Facebook getan. Das höchst interessante Ergebnis: Zwischen zwei zufällig ausgewählten Facebooknutzern liegen derzeit gerade einmal 4.74 Personen, die sie voneinander trennen. Über knapp 5 “Ecken” sind wir also alle untereinander bekannt. Natürlich muss man diese Zahl etwas skeptisch betrachten, da der Freund- bzw. Bekannten-Begriff bei Facebook ja mehr oder weniger inflationären Charakter hat. Das ändert aber nichts an der dahinterliegenden Idee der globalen Vernetzung auf persönlicher Ebene.
Noch interessanter wird es bei der Betrachtung früherer Zahlen. The Verge weist darauf hin, dass eine vergleichbare Analyse vor drei Jahren noch 5.28 Personen zwischen zwei beliebigen Facebook-Nutzern erkannte. Eine Erklärung dafür könnte die global zunehmende digitale Vernetzung sein, die in gewisser Weise mit einer potenziellen Ausdehnung unserer “Freundeskreise” zusammenhängt. Denn je mehr Menschen wir kennen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir Freunde unserer Freunde kennenlernen bzw. enger an sie heranrücken. Die Welt wird also immer kleiner.
Crowdfund It Yourself
Wordpress Crowdfunding Plugin "Ignition Deck"

Foto: Screenshot/Logo ignitiondeck.com
Crowdfunding oder wie es die Wikipedia so schön im Antihip-alternativ-deutsch betitelt, Schwarmfinanzierung, ist eine tolle Sache. Ein Projekt wird von Fans oder Kunden finanziert, bevor das eigentliche Produkt überhaupt erhältlich ist. Ein Künstler nimmt im Schlafzimmer eine Songskizze auf, präsentiert das Stück seinen Fans und lädt sie ein, Teil des bald erscheinenden Albums zu werden, indem sie die Finanzierung der Studioaufnahme, Produktion und Pressung übernehmen. Im Gegenzug erhalten sie je nach Höhe ihrer finanziellen Unterstützung das fertige Endprodukt, Bonusmaterial, öffentliche Danksagungen oder sonstige Extrabonbons. Über 60 Millionen Dollar sammelten Künstler, Designer und Macher auf diese Weise bei der bekanntesten Plattform Kickstarter bisher. Die Erfolgsquote lag dabei bei 44 Prozent. Fast die Hälfte aller Kickstarter-Projekte konnten also durch die Masse im Netz finanziert werden.
So toll das Ganze auch ist, ein Nachteil ist offensichtlich: Die Crowdfunding-Plattformen bieten ihren Dienst in der Regel nicht umsonst an. Sie behalten einen Teil der erfolgreich finanzierten Projektsumme ein und bekommen obendrein den erzeugten Traffic und die entsprechenden Nutzerdaten der finanzierungswilligen Unterstützer. Lange Rede kurzer Sinn: Die Zeit ist reif für eine Alternative. Genau das dachten sich die Macher von Ignition Deck und entwickelten ein unabhängiges Crowdfunding-Plugin für das in Bloggerkreisen sehr verbreitete Content Management System WordPress.
IgnitionDeck is a WordPress plugin that you control. Instead of giving your power to someone else, use IgnitionDeck to fund your projects without asking permission, and without giving away more than you have to.
Wer es verwenden will, muss allerdings in die eigene Nutzung investieren. 39 Dollar kostet die aktuelle Pre-Release, die eine Implementierung des Plugins auf beliebig vielen Seiten erlaubt. Der Preis für diese Multi-Site-Lizenz wird im Laufe des Tages leider auf 99 USD steigen, was für viele Nutzer sicherlich eine Hürde darstellt. Bei den meisten bisher etablierten Plattformen ist eine Vorabzahlung für die Nutzung der Crowdfunding-Dienste nicht vorgesehen. Für Kreative, die bereits eine anständige Online-Gefolgschaft vorweisen können und das Crowdfunding-Modell regelmäßig für die Finanzierung ihrer Projekte einsetzen möchten, ist Ignition Deck eine interessante Option. Auch für Indielabels, Verlage und kleinere Firmen könnte eine selbstbetriebene Crowdfunding-Seite sehr reizvoll sein. Wie eine selbstgehostete Crowdfunding-Kampagne via Ignition Deck aussehen kann, zeigt die kürzlich gestartete Seite One City Per Second der Indiefolk-Band Uniform Motion, die internationale Konzerte und Merchandize-Artikel via Crowdfunding finanzieren will.
Hier ist eine (unvollständige) Liste der bisherigen Features des Plugins:

Laut im Weltall
65 Days Of Static vertonen "Silent Running"
Einen fast 40 Jahre alten Science Fiction Klassiker wie Silent Running musikalisch neu zu interpretieren scheint eine nahezu unlösbare Aufgabe zu sein. Die wunderbar krachverliebten 65 Days Of Static haben es trotzdem versucht und mit ihrem crowd-finanzierten Silent Running Soundtrack ein wahres Meisterwerk geschaffen, das den 1972 veröffentlichten Film (in Deutschland bekannt unter dem Titel “Lautlos im Weltall“) wieder aufleben lässt und ihm eine neue Tiefe verleiht.
In einer Zeit, in der Technologie immerzu im Vordergrund steht und alle unsere Lebensbereiche erklimmt, ist Silent Running übrigens so aktuell wie nie. In dem Regie-Debut von Douglas Trumbull existiert eine von Technik dominierte Welt, in der alles Natürliche und Biologische der technologischen Entwicklung des Menschen weichen musste. Die letzten Wälder und Ökosysteme befinden sich auf Biosphären-Schiffen im Weltall und auch diese sollen aufgegeben werden. (Der Film ist in 9 Teilen auf Youtube zu sehen)
Das Smartphone als Robotergehirn
Romo unterhält und inspiriert
Zugegeben, die Anwendung, die sich hinter der sehr erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne der kleinen 3-Mann-Firma Romotive verbirgt ist eher trivial und spielerisch. Aber die Idee ist großartig und birgt ein riesiges Potenzial. Das Konzept, Smartphones als zentrales Steuerungselement für Roboter zu benutzen und diese durch entsprechende Apps zu bedienen ist genial, denn bei modernen Smartphones ist bereits alles nötige vorhanden: Ausreichend Rechenleistung, üppige Sensorik und zudem eine ergiebige Stromquelle. Einfach und genial. Hätte man auch mal selbst drauf kommen können.
Romo gibt’s übrigens für 75 USD via Kickstarter. Die Crowdfunding-Kampagne hat die Zielsumme von 30.000 Dollar bereits 19 Tage vor Ende der Aktion erreicht. Obwohl, das wäre untertrieben, denn es wurden bereits über 80.000 Dollar durch die Crowd investiert.
Romotive makes simple and affordable robotic platforms that interact with people in meaningful ways. We produce the hardware and software needed to combine the computing power of smartphones with the mechanics of moving machines. (Romotive)
Kinectrument
Interaktiv-audiovisuelle Musikumgebungen
MultiMultiTouchTouch-Interface von Tim Thompson (Interview von Marc Mosher)
Der Informatiker und Künstler Tim Thompson hat ein ziemlich beeindruckendes Musikinterface entwickelt, das auf der Bewegungssteuerung der Kinect-Hardware basiert. Hinter dem etwas sperrigen Arbeitstitel seines MultiMultiTouchTouch-Interfaces, das er mittlerweile als “Space Palette” bezeichnet, verbirgt sich ein Rahmen, in dem vier einzeln erfassbare Felder Handbewegungen in Musik verwandeln.
MultiMultiTouchTouch offers players any number of arbitrarily-shaped multitouch areas with three-dimensional spatial control. Interaction with this space allows users to control and play virtual synthesizers using nothing but a Microsoft Kinect as the controller. (via)
Thompson ist einer von vielen Künstlern und Entwicklern, die mit der Kinect als Musikinstrument experimentieren. Seit der Veröffentlichung des Kinect-Sensors, des darauffolgenden Hacks der dazugehörigen Software, der Bereitstellung von Open-Source-Treibern und der späteren offiziellen Freigabe der Entwicklungsumgebung rund um den Microsoft-Controller, entstand eine Vielzahl von kreativen Anwendungen, die über den Nutzen des Gerätes als Spielecontroller weit hinaus gehen.
Ich bin sehr gespannt, welche interessanten Mashup-Genres aus Musik, Theater, Choreographie, Tanz, Performance und Installation sich in den nächsten Monaten und Jahren mithilfe dieser Technik entwickeln werden. (Einige Beispiele nach dem Klick)

