Waffen und Solarkraftwerke aus dem 3D-Drucker

Disruptive Technologie

Die graduierten MIT-Studenten Shawn Frayne und Alex Hornstein wollen nicht nur die Stromerzeugung sondern auch die Erzeugung der Stromerzeuger dezentralisieren. Ihre “Solar Pocket Factory” ist ein 3D-Drucker, der Mikrosolarpanele erzeugt, die genug Strom bereitstellen sollen, um damit Telefone, Gartenlichter oder andere Kleinelektronik betreiben zu können. Das speziell für die Herstellung von Mikro-Solarpanelen designte Gerät wollen die Erfinder nun dank der finanziellen Hilfe durch Fans und Förderer einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne realisieren. Als Startkapital stehen ihnen nun etwa 77.504 US-Dollar zur Verfügung. (via 3Ders, NPR)

Es ist kaum vorstellbar welche Auswirkungen die Verbreitung dieser Solarpanel-Fabriken wohl hätte. Chris Anderson, Wired-Chef und 3D-Drucker-Fan, kann sich das sehr wohl vorstellen. Er sprach mit Makerbot-Erfinder Bre Pettis auf der World Maker Faire zum Thema “Maker Movement to New Industrial Revolution“. Wie der Titel des Youtube-Videos schon verrät, lautet seine These, dass die Netzwerkbasierte Kreativität und Peer-Produktion, die unsere Gesellschaft in den letzten Jahren im Netz erlernt und verinnerlicht hat, mit der 3D-Drucker-Technologie nun ihren Weg zurück in die Kohlenstoff-Welt findet. Nicht weniger als die Basis einer neuen industriellen Revolution will er in dieser Technologie erkannt haben. Er spricht dabei von einem “Macintosh Moment“, dem Durchbruch der 3D-Drucker-Technologie, die nun reif für den Massenmarkt sei und eine ähnliche Verbreitung und Auswirkung vor sich habe wie der frühe Macintosh Computer.

Es scheint so als würde der SciFi-Traum eines Star Trek’schen Replikators, der per Knopfdruck (oder Spracheingabe) aus Energie Materie erzeugt, in greifbare Nähe rücken. Virtuelle Designs, wie sie in dem digitalen Universum der Dinge Thingiverse existieren, sind nicht länger nur virtuell existent. Sie bieten die Vorlage für handfeste, reale Gegenstände und Objekte und die Grenzen des Machbaren scheinen noch längst nicht erreicht zu sein. Wie das oben eingebettete Video demonstriert, lassen sich mit der 3D-Druck-Technik (bzw. in diesem Fall das direkte Sintern von Metall (DMLS) auch robuste Objekte, wie Raketenbrennkammern herstellen.

Spätestens an diesem Punkt beginnt sich die metaphorische Medaille zu drehen und zeigt uns die Macht und Verantwortung, die mit dieser potenziell disruptiven Technologie einhergeht. Das Parade-Beispiel für die dunkle Seite der Medaille liefert u.a. Kai Biermann mit seinem Artikel über den Amerikaner Cody Wilson, der eine Pistole zum Selbstbau entwickelt, die sich jeder mit einem 3D-Drucker ausdrucken können soll. Wilson nennt seine kopierbare Waffe “Wiki Weapon“.

Die Möglichkeit unerkannt und unlizensiert, jederzeit und überall Waffen herstellen zu können hat einen beängstigenden Beigeschmack eines latenten, psychologischen Moments des Kalten Krieges, der in der Zukunft sicherlich für eine gewisse paranoide Grundstimmung sorgen dürfte. Um potenziellen Angstschürern aber schon vorab Wind aus den Segeln zu nehmen: Auch mit bloßen Händen können wir bereits seit Jahrtausenden tödliche Waffen herstellen oder sie selbst als solche einsetzen. Und das hat weder zur Auslöschung der Menschheit, noch zur gesellschaftlichen Norm eines Verbots von Händen geführt.

Nun hat diese kleine Betrachtung eine durchaus pessimistische Wende bekommen, die ich anfänglich gar nicht im Kopf hatte. Auch wenn solche Extrembeispiele wie die Wiki Weapon sich in den Köpfen festsetzen und wahrscheinlich immer wieder von Kritikern herangezogen werden, so muss man an diesem Punkt einfach feststellen, dass sich erstens das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen lässt und diese Technologie nun einmal Teil unserer Realität ist bzw. auf dem Weg dahin ist, und dass zweitens die Vorteile einer solchen Technologie um ein Vielfaches überwiegen.

Bild (s.o.) Screenshot http://youtu.be/1uZHUkeIkpk

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