Mission Control im Wohnzimmer
Es ist schon ziemlich cool was sich die NASA da in Zusammenarbeit mit Microsoft ausgedacht hat. Am 6. August 2012 soll der Marsrover “Curiosity” auf dem roten Planeten landen. Um die komplexen Vorgänge der Mission einem wissenschaftsfernen Publikum nahe zu bringen, hat die amerikanische Luft- und Raumfahrtbehörde in Zusammenarbeit mit dem Software- und Spielegiganten ein Simulationsspiel für die XBox-Konsole entwickelt, das es dem Spieler ermöglicht die Landesequenz des Rovers per Kinect-Bewegungssteuerung nach- bzw. vorzuspielen.
Zugegeben: Das Ganze ist wohl eher eine gut gemeinte PR-Aktion, die dabei helfen soll, der 2,5 Milliarden Dollar teuren Marsmission etwas mehr Coolness und jugendlichen Abenteuer-Sinn zu verleihen. Grundsätzlich ist die Idee aber ganz hervorragend. Dass spielerische Elemente und Wissenschaft durchaus zusammenpassen zeigt beispielsweise das EteRNA-Projekt. In dem Online-Game der Carnegie Mellon University und der Stanford University helfen Spieler den Wissenschaftlern dabei innovative RNA-Strukturen zu erschaffen.
Ein ähnliches Gamification-Konzept lässt sich durchaus auch auf die Raumfahrt übertragen. Spieleentwickler könnten zum Beispiel auf Satelliten-Daten zugreifen und so in Echtzeit Wetterinformationen, Umwelt- und sonstige Messdaten in Games einfließen lassen. Spieler könnten dann In-Game-Lösungsstrategien für Umweltprobleme oder Katastrophen-Szenarien entwickeln, die wiederum in strategische Überlegungen bei “echten” Problemen eine Rolle spielen könnten. Das GMES-Projekt (Global Monitoring for Environment and Security) plant die Bereitstellung solcher Daten und will sie im Sinne des Open Access für jegliche Nutzungsformen freigeben, auch für kommerzielle Zwecke.
Wie man spielerisch Nutzer in die Raumfahrt und Weltraumforschung einbinden kann, wollen auch die Part-Time Scientists zeigen. Die um den Lunar X-Prize kämpfenden Teilzeit-Mondforscher und Vollzeit-Nerds planen eine mehrwöchige Trainings-Session mit einer nachgebauten Mondlandschaft, auf der User ihren Lunar Rover Asimov steuern können. Durch die Vielzahl der unterschiedlichen Nutzer wird der fahrbare Mondroboter Härtetests und Handlungsvarianten bestehen müssen, die ein kleines Testteam nur schwer simulieren könnte. So nutzt das Spielen auch der Forschung und Weiterentwicklung des Lunar Rovers.
Noch einen Schritt weiter in Richtung gamifiziert-crowdgesourcte Weltraumforschung will das Projekt ArduSat gehen, das gerade via Kickstarter mit über 100000 Dollar erfolgreich schwarmfinanziert wurde. Der Open Hardware DIY-Satellit soll per Webinterface ansteuerbar sein und u.a. auch via Social Media Game spielerisch kontrolliert werden können. Weitere kreative und wissenschaftliche Nutzungsvorschläge werden derzeit in einem Google-Doc gesammelt.
All diese Projekte zeigen Wege auf, wie wissenschaftsferne Querdenker an eine oftmals betriebsblinde Wissenschaftler- und Forschergemeinde herangeführt werden können, was im besten Fall für kreative, gegenseitige Denkanstöße sorgen dürfte. Und ganz besonders für eine große Menge Spaß!
