Beep! Beep! Back Up The Truck - Logo (www.beepbeep.nl)
[Bild: beepbeep.nl]

Gibt es eine griffige Definition für ein Netlabel? Allgemein kann man sich damit zufrieden geben, wenn man sagt, dass Netlabels virtuelle Musiklabels sind. Schaut man sich in der Szene um, stellt man jedoch schnell fest, dass es nicht nur verschiedene Vertriebsmodelle von virtuell bereitgestellter Musik gibt, sondern auch aus musikalischer Sicht eine höchst ambivalente Bandbreite an musikalischen Sphären existiert. Während sich Netlabels anfänglich ausschließlich elektronischer Musik widmeten, war ein weiterer Schritt in der Entwicklung die Etablierung des musikalischen Experiments. Musik, die ohne kommerziellen Druck aufregende, neue Gefilde erkundet, Jenseits von Massentauglichkeit und Popkultur.
In jüngster Vergangenheit scheint ein wiederum neuer Schritt in der Entwicklung der Netlabels Einzug gehalten zu haben: Traditionelle Indiependentstrukturen und deren musikalische Ufer adaptieren die von Netlabels beschrittenen Wege. Ein aktuelles Beispiel: Das niederländische Netlabel Beep! Beep! Back Up The Truck.

Es ist eine einfache Überlegung, die auf dem Gedanken der Aufmersamkeitsökonomie basiert, den die Macher von Beep! Beep! sehr schön in einen Satz verpackt haben:

“[]…free music on the internet = a lot more listeners, more listeners = more fans, more fans = more shows, more shows = more merch sales, more merch sales = more money for the band, money for the band = more great music for free.

Als gemeinnütziger Verein organisiert, durch staatliche Förderung finanziell unterstützt und mit einem Pool an (vorerst) lokalen Bands aus Utrecht ausgestattet, bietet das niederländische Netlabel nicht nur freie Musikdownloads und physische Tonträger für Freunde der Haptik an, sondern produziert, fördert und organisiert Auftritte der Künstler des Hauses. Einnahmen, bzw. etwaige Gewinne dienen ausschließlich zur Kostendeckung oder werden direkt an die Künstler weitergegeben.

Ein Modell, das auf Musik ausgerichtet ist, die eine weitaus größere Masse an Hörern anspricht, als bisherige Vertriebsmodelle von freier Musik. Indierock und Pop stehen im Vordergrund und nicht etwa sphärischer Ambient oder schwer zugänglicher Elektro.

Kismet – White Castle [BY-NC-SA]
The Walt – Non Threat [BY-NC-SA]
We vs. Death – Golden Medals [BY-NC-SA]
Embrace Fire – The Soft House [BY-NC-SA]
Paper Tiger – 1995 [BY-NC-SA]

(Musik: V.A. – Behold My Puny Bears Vol. I)

Dabei wird mit regelmäßigen Auftritten und Partyreihen, sowie durch die freie Verbreitung der Musik über das Internet versucht, eine Community aufzubauen, die eine enge Verbindung zwischen Künstlern und Publikum herstellt.

Es ist spannend diese neuen Wege vieler interessanter Projekte zu beobachten und es stimmt uns positiv immer öfter zu lesen, dass immer mehr Menschen das Potenzial in der freien Verbreitung von Kultur schätzen lernen.

Zum Schluss ein Satz, den man vor ein paar Jahren eher selten auf den Seiten eines Labels mit vergleichbarem Musikangebot gelesen hätte:

Internet is our friend and free music downloads are awesome!” (beepbeep.nl)


Subscribe to comments Comment | Trackback |

Browse Timeline

Comments ( 1 Comment )

Interessanter Beitrag.und schöner Slogan von beepbeep! ;-)

beingboring added these pithy words on Jul 23 08 at 3:13 pm

Add a Comment


XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>


Die Texte von METAWELLE stehen, wenn nicht anders gekennzeichnet, unter dieser CC-Lizenz.

Wordpress theme "Modicus Remix" by Zidalgo.