Jesus verprügelt Gott

[Screenshot: Faith Fighter cc by-nc-nd]
Oh wie schön, daß es sie noch gibt, diese wunderbare politische Inkorrektheit. Denn wie schrecklich wäre eine Welt, in der wir den Hippies den Sieg überlassen würden? Überall Liebe und Frieden? Bäh, das muß doch nun wirklich nicht sein. Die großen Kirchen und ihre Anhängerschaft denken da ja oftmals ähnlich und deswegen gibt es jetzt eine wunderbare Möglichkeit für Gläubige ihren Zorn an den ganzen Konkurrenzreligionen einmal am heimischen PC oder Mac auszulassen.
Faith Fighter heißt der Spaß, um den es geht. Hinter diesem Begriff, den man wohl am ehesten im Ticker bei CNN erwarten würde, verbirgt sich ein recht einfach gemachtes Prügelspiel im altbekannten Street Fighter-Stil. Ganz ähnlich wie beim vergleichbaren Bible Fight schlüpft der Spieler in die Rollen diverser Religionssuperstars. Damit sind keineswegs irdische Repräsentanten gemeint, wie in etwa der Dalai Lama, Ratze, Elvis oder Maradonna(s Hand). Obwohl diese Menschen in einem derartigen Computerspiel von gewissem Reiz sein könnten, haben sich die Macher (molleindustria) lieber dafür entschieden sich an die wirklich großen der Branche heranzuwagen: Das wären God, Jesus, Budai, Buddha, Muhammad und Ganesha.
Dann also nichts wie rein ins Getümmel. Das Spiel bietet uns zwei verschiedene Varianten. Erstens wäre das der von vergleichbaren Spielen bekannte Turniermodus, in dem alle Gegner nach und nach ausgeschaltet werden müssen, so daß am Ende ein Oberbossgegner bekämpft werden kann. Um wen es sich dabei in Faith Fighter handelt, möchte ich in diesem Text hinter einem spannungserhaltendem Schleier verbergen. Man muß schließlich nicht gleich alles verraten. Ich jedenfalls war amüsiert, als ich beim Testspielen so weit war.
Spielvariante Nummer zwei besteht aus einfachen Kämpfen der oben genannten Prügelgötter. Von besonderem Interesse dürfte hier die einhergehende Möglichkeit zum Multiplayerspiel (allerdings an nur einem Rechner) sein. Die drei verfügbaren Schwierigkeitsgrade sind nämlich in Wahrheit nicht easy, medium und hard, sondern eher unfassbar leicht, besonders leicht und leichter als easy.
Aber da habe ich doch Verständnis für die Entwickler. Schließlich wollen die sich ja nicht mit unzähligen Fanatikern herumschlagen, die ihnen die Ohren vollheulen, weil sie gemeinsam mit ihrem Lieblingsgott nicht gewinnen können, da sie eventuell nicht in der Lage sind die drei Spezialkampftechniken auswendig zu lernen, die jeder Charakter beherrscht. Mit ein wenig mehr Ernst betrachtet, könnten die Schöpfer (also die von Faith Fighter) aber sogar berechtigt Angst kriegen, in Zeiten, in denen man Botschaften anzündet, weil schlechte, aber im Grunde genommen harmlose Karikaturisten sich am Profil eines gewissen Religionsstifters versuchen. Vielleicht muß man sich auch gerade deswegen gleich zu Beginn des Spieles für entweder die unzensierte oder die zensierte Version entscheiden. In letzterer kämpft der besagte alte Mann mit einem formschönen, schwarzen Kreis als Kopfersatz.
Fassen wir zusammen: Faith Fighter ist ein kurzes, unterhaltsames Spiel mit einem starken Hang zur Religionskritik. Wer damit umgehen kann und kleine Spiele am PC mag, dem verspreche ich ein paar freudige Momente. Diesem Schlag Mensch, dazu aber auch allen anderen, möchte ich nicht unterschlagen, daß molleindustria noch diverse weitere schöne Spiele im Angebot hat. Da wäre in etwa eine packende Wirtschaftssimulation zur beliebten Restaurantkette mit dem großen M. Das McDonald’s Videogame würde der Konzern aber wohl wegen der immer wieder aufflackernden Realitätsnähe eher nicht zur Eigenwerbung verwenden wollen. Nicht weniger kritisch kommt das ebenfalls nicht weniger anspruchsvolle Operation Pedopriest daher, bei dem es darum geht von offizieller Seite aus Priester zu beschützen, die… nun ja, ratet mal. Wer mehr will, muß es selber entdecken. Für genug Auswahl sollte gesorgt sein; für die Freiheit sorgt diese Lizenz.
