CC bei den Öffentlich-rechtlichen - SWR2 zieht nach

Quelle: SWR CC by-nc-nd http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=2869828/19csuqo/index.html

Nachdem Arte bereits vor einer ganzen Weile einen Beitrag unter einer CC-Lizenz veröffentlicht hat und beim NDR seit November vergangenen Jahres ein Creative Commons-Pilotprojekt läuft, zieht nun auch der SWR nach. Beim Radiosender SWR2 lief diesen Montag ein 30-minütiges Feature mit dem Thema “Unabhängigkeitserklärung - Netlabels als alternativer Vertriebsweg für Musik?“, das unter einer CC-Lizenz veröffentlicht wurde. Trotz dieses erfreulichen Schrittes, hört man auch kritische Stimmen zum Beitrag von Sebastian M. Krämer.

Das Musikmagazin laut.de kritisiert die geringe Qualität des bereitgestellten MP3s und bezeichnet den Schritt des SWR als “ernüchterndes Ergebnis”. Der Artikel kritisiert vorallem die gewählte Lizenzform BY-NC-ND, die eine Bearbeitung, sowie eine kommerzielle Nutzung verbietet: “Den SWR-Beitrag dagegen müssen die Internetbetnutzer nicht nur - per GEZ-Zwangsgebühr - bezahlen, sie dürfen ihn auch nicht weiterbearbeiten, von einer Benutzung in kommerziellem Rahmen ganz zu schweigen.”

Auch wenn diese Kritik gerechtfertigt ist, geht sie meiner Meinung nach übers Ziel hinaus. Auch der NDR stellt ausgewählte Inhalte unter die erwähnte Lizenz. Ich stimme zu, dass eine Bearbeitung auf jedenfall zugelassen sein sollte, was Arte übrigens mit seinem Beitrag getan hat. Für eine kommerzielle Nutzung sehe ich jedoch keine Notwendigkeit. Die Inhalte richten sich schließlich an Privatpersonen und nicht an Unternehmen. Die gesamte Bewegung des Open Culture war stets eine Bewegung, die zwischen Menschen stattfand. Austausch, Bearbeitung, Verbreitung. Das sollte so bleiben und dabei kann eine Lizenz, die kommerzielle Nutzung untersagt, hilfreich sein.

Wenn man Kritik übt, dann sollte diese nie den Inhalt übersehen. Das hat der Autor des laut.de-Artikels leider völlig vergessen.

Obwohl ich den SWR2-Beitrag von Sebastian M. Krämer grundsätzlich gut fand und durchaus glaube dass er dabei geholfen hat vielen Hörern das Thema schmackhaft zu machen, gab es einige Fehler im Beitrag. Außerdem wurden einige wichtige Dinge, die in dem Beitrag nicht hätten fehlen dürfen, vergessen.

Netlabels widmen sich (leider) nicht immer einem gewissen Genre (der Beitrag behauptet das Gegenteil). Einige tun das, die Mehrzahl, wie ich finde, jedoch nicht. Starfrosch ist interessant und liefert einen guten Überblick über die Szene, aber es ist nicht so dass alle Inhalte auch weiterverarbeitet oder bearbeitet werden dürfen, wie in dem Beitrag gesagt wurde. Nur ein Teil der dort vorgestellten Musik ist unter entsprechenden Lizenzen veröffentlicht worden. Ab und zu werden bei Starfrosch sogar “nicht freie” Inhalte, die unter dem traditionellen Copyright stehen, vorgestellt. Und: es gibt durchaus Konzepte, die das Geldverdienen mit freien Inhalten beschreiben. Diese reichen von Spenden, über Micropayments bis zu dem Konzept der Kulturflatrate. All diese Modelle wurden nicht einmal erwähnt. Ebenfalls keine Erwähnung fanden wichtige und meiner Meinung nach in einem solchen Beitrag unverzichtbare Projekte wie das Netlabelarchiv, bzw. das Open-Source-Audio-Archiv bei Archive.org oder cc-mixter.org. Und soweit ich mich erinnern kann, wurde auch nicht Creative Commons erklärt.

Dafür wurden zahlreiche Webseiten und (Radio)Projekte vorgestellt, die sich zwar mit Gratismusik (aber nicht mit “freier” Musik) beschäftigen. Und dass zwischen gratis und frei ein Unterschied besteht, wurde in dem Beitrag leider nicht klar genug.

Aber hey, wie hat mo hier so schön geschrieben: “Freuen wir uns einfach, dass der SWR2 einen Anfang gemacht hat und fertig.”

Punkt!

SWR2-Beitrag “Unabhängigkeitserklärung - Netlabels als alternativer Vertriebsweg für Musik?” [QUELLE, LIZENZ]

[Update 16.01.08]
Nun liegt auch eine qualitativ hochwertige Version im OGG-Format vor:
swr2wissen_14-1-2008_unabhaengigkeitserklaerung.ogg
Zu finden auf Archive.org.

[Bild: SWR by-nc-nd]

Ein Kommentar für “CC bei den Öffentlich-rechtlichen - SWR2 zieht nach”

  1. ich finde die kritik auch völlig überzogen! gerade das qualitätsargument, daß ich bei netlabelveröffentlichungen durchaus wichtig finde, zieht hier so garnicht. das ist ein radiobeitrag und kein audiophiles meisterwerk. aus dem üblichen küchen- oder autoradio kommt mit sicherheit eine noch schlechtere qualität. im zug von meinem mobiltelefon gespielt klang es jedenfalls völlig annehmbar. außerdem sollen bei bedarf besser codierte ogg files zur verfügung stehen.
    die lizenzwahl ist vielleicht nicht optimal im sinne des freien contents aber ich bin mir sicher, daß da einige leute beim swr hart gekämpft haben um selbst die by-nc-nd verbreitung durchzuboxen… das ist doch schonmal ein anfang und im großen und ganzen ein gutes zeichen. es sind wahrscheinlich die gleichen leute die sonst immer meckern, daß netlabels von den traditionellen medien ignoriert werden, die hier nun jeden versuch über unsere szene zu berichten niederschreien und kaputt reden… nicht gerade eine einladung an den rest der medienwelt. warum sollte sich einer die mühe machen und über netlabels berichten nur um anschließend von einem haufen miesgelaunter besserwisser geeks niedergemacht zu werden. und mühe hat er sich wirklich gemacht der herr krämer! ich habe ihn auf dem netlabelfestival in berlin getroffen und er war wirklich unheimlich engagiert und wohlgesonnen. die gewichtung einiger aspekte, vor allem der große teil zu den radio geschichten, verliert schon teilweise den netlabel aspekt der im titel ja hervorgehoben wird aber vielleicht lässt das ja raum für einen zweiten teil…

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