Sell Out?

Niemand möchte einem Künstler den finanziellen Erfolg missgönnen. Schließlich soll man auch von seiner Kunst leben können, vorallem wenn sie von vielen Menschen als besonders gut empfunden wird. Aber leider kommt es immer wieder vor, dass bei der erstmöglichen Gelegenheit nicht nur die Kunst, sondern gleich dazu auch noch der eigene Idealismus mitverkauft wird.

Seit Monaten besuchte ich heute mal wieder die Seite des portugisischen Netlabels Merzbau, um nach Neuveröffentlichungen zu suchen. Dabei stieß sich auf die Nachricht, dass alle Inhalte der Künstlerin Mademoiselle entfernt werden mussten, da sie den Vertrag eines Major-Labels angenommen habe.

One of our most beloved artists, Mademoiselle has just signed a contract with a major company, Capitol, withheld by EMI. This is was not an unpredictable situation, since we are aware of the doubtless quality and enormous potential of the artist. However this resolution also means that all songs that were previously released for free with Creative Commons licenses will stop being from now on. For this reason, the songs on Mademoiselle’s debut EP will have to be removed from our website. Unfortunately only those who have money rule this world and we represent a small grain of sand in this gigantic industry.Quelle

Wenn ich das richtig verstanden habe können CC-Lizenzen nicht zeitlich begrenzt vergeben werden. Einmal veröffentlicht, bleibt der lizensierte Inhalt unter der entsprechenden Lizenz. Es scheint jedoch so als ob ein Anruf eines Major-Labels genügt um geltendes Recht aufzulösen. Demnach sind solche Fälle nicht nur traurig, sondern meiner Meinung nach auch rechtlich fragwürdig. Außerdem lässt mich so etwas an der Ehrlichkeit der Künstlerin zweifeln, denn sie hätte auch einen Vertrag mit dem Label aushandeln können, der die bisher veröffentlichten Inhalte unter der enstprechenden Lizenz bestehen lässt.

[Bild by husin.sani]

9 Kommentare für “Sell Out?”

  1. Wenn ich das richtig verstanden habe können CC-Lizenzen nicht zeitlich begrenzt vergeben werden.

    Korrekt, die CC ist zeitlich unbefristet und gültig, egal, ob das Capitol nun passt oder nicht. Ich kann allerdings die Reaktion des Labels verstehen, die sich hier nicht auf einen (teuren) Rechtsstreit einlassen wollen. Allerdings dürfte sich in einem solchen jeder Verwerter, der meint, die CC für ungültig erklären zu wollen, eine blutige Nase holen.

  2. sowas ist tatsächlich ziemlich kniffelig, und sehr ärgerlich.
    so wie ich das sehe liegt das problem auch nicht direkt darin, daß die cc lizenz im falle eines “echten” plattendeals für ungültig erklärt wird sondern eher, daß mit einem solchen vertrag eine anmeldung bei der zuständigen verwertungsgesellschaft einher geht. jetzt kenn ich mich nicht mit den bedingungen der portugiesischen vg aus, bei der gema ist es aber so, daß sich der vertrag auf alle von der angemeldeten person geschaffenen werke bezieht, auch auf solche, die vor der gema anmeldung geschaffen wurden. und daß cc und gema mitgliedschaft sich nicht vertragen ist ja ein altbekanntes problem. meiner ansicht nach sieht es in einem solchen fall so aus, daß einerseits die cc lizenz nicht aufgehoben werden kann andererseits die vervwertungsgesellschaft auch (noch) keine möglichkeit hat die entsprechenden releases aus der verwertung heraus zu nehmen. nun könnte das netlabel, wenn es den abzusehenden ärger mit dem major in kauf nehmen würde, zwar die songs weiter anbieten, müsste dann aber damit rechnen pro download die entsprechenden abgaben an die verwertungsgesellschaft leisten zu müssen.
    wie gesagt, äußerst kniffelig… und leider wohl nichts was auf die schnelle gelöst werden kann… vor allem nicht mit verhandlungs-’partnern’ wie der gema und den majors.

  3. müsste dann aber damit rechnen pro download die entsprechenden abgaben an die verwertungsgesellschaft leisten zu müssen

    Nein, damit muss das Label absolut nicht rechnen bzw. wären entsprechende Forderungen seitens einer VG nicht rechtens. Und meines Wissens ist die allumfassende Verwertungshoheit seitens einer VG ein typisch deutsches Problem. In allen anderen mir bekannten Ländern lassen sich einzelne Werke aus dem Schutzumfang ausklammern. Was mich allerdings tatsächlich stutzig macht und ich da die “Schuld” auf seiten des Urhebers sehe könnte, daß eventuell die Rechte auch an den schon veröffentlichten Werken an Capitol abgetreten wurden. Was wiederum hierzulande nicht möglich wäre…

    vor allem nicht mit verhandlungs-’partnern’ wie der gema und den majors

    Persönliche Meinung nach einigen Jahren: Nicht verhandeln, sondern konfrontieren. Oder noch besser, schlicht ignorieren. Es bieten sich immer mehr Möglichkeiten auch außerhalb dieser Verwertungsmaschinerie an, die Luft zum atmen läßt.

  4. Das ist wirklich alles sehr ärgerlich. Leider wirklich keine Einzelfälle. Bei der französischen Band Qui scheint das auch so gelaufen zu sein, denn die vier Alben, die bei Jamendo unter CC veröffentlicht wurden, sind dort auch nicht mehr zu finden. http://www.jamendo.com/de/artist/qui/
    Das wird sich alles wohl erst ändern, wenn wir so etwas wie eine CC-Verwertungsgesellschaft haben. Vielleicht wird Registered Commons die Lösung bringen? http://www.registeredcommons.org/ Leider ist das Projekt noch zu unbekannt.
    Vielleicht wacht die GEMA aber auch bald auf und macht es den Kollegen aus Italien und den Niederlanden gleich.?

  5. Ich persönlich brauch die GEMA nicht und für die Textdichter und Autoren, mit denen ich so zusammenarbeite, lohnt eine Zusammenarbeit im Rahmen der kollektiven Rechtewahrnehmung auch nicht. Und das dieser Bürokratieklotz noch flexibel wird, mag vielleicht so sein, aber darauf zu warten, hab ich keine Zeit :)

  6. Ich habe schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass sich Freie Lizenzen sozusagen als kostenloser Talentscout für die großen Labels der Musikindustrie entwickeln können, wenn die Gesetzgebung nicht entsprechend reagiert ( z.B. hier: http://www.musikdieb.de/?p=303 ). So machen wir als Musik-Blogger nämlich mehr den Indie-Labels Konkurrenz als den großen. Nur wenn die Privatkopie freigegeben wird und einzelne Stücke sich aus dem Schutzumfang ausklammern lassen und wenn auch nicht-kommerziell lizensierte bzw. privat frei tauschbare Stücke bei kommerzieller Nutzung durch Verwertungsgesellschaften vergütet werden, wird sich meiner Meinung nach wirklich etwas ändern.

  7. dass sich Freie Lizenzen sozusagen als kostenloser Talentscout für die großen Labels der Musikindustrie entwickeln können

    Warum nur für die großen Labels? Ich seh auch für die Indies mehr Chancen als Nachteile - das grundlegende Problem hatte ich ja zu der Zeit bei dir schon in den Kommentaren geschrieben. Die Indies sind am Ende auch nur ein Teil des Systems, wenn sie ähnliche Strategien preferieren, die die Majors jetzt langsam zu den Akten legen. Weil sie gemerkt haben, daß eben das Geschäftsmodell der 90er nicht mehr erfolgreich sein kann. Wieso daran kleine Labels festhalten, entzieht sich eh meinem logischen Verstand - allerdings erleb’ ich oft genug auch haarsträubende Dinge bei Bands. Wo ich mich oft genug frage, in welchem Jahrhundert die steckengeblieben sind mit ihrem Denken.

    Und ich mach mit meinem Blog doch keinem Indie Konkurrenz, auch nicht mit dem Radio. Aber ich nutze beides auch für mich und die Verbreitung “meiner” Musik :)

  8. Ok, man kann es vielleicht so sehen, dass CC-Lizenzen, Selbstvermarktung im Netz, Netzlabels usw. ein neuer Teil der “Musikindustrie” sind, der den Majors UND den Indies Konkurrenz macht. Aber grundsätzlich ist es doch schon so, dass die Majors das meiste Geld haben, und einem richtig bekannten Musiker das meiste bieten können. Sicher gibt es da immer Musiker, die aus Überzeugung bei Indie-Labels bleiben oder wieder zu ihnen zurückgehen. Aber wie auch das zitierte Netzlabel so schön schreibt: ”Unfortunately only those who have money rule this world and we represent a small grain of sand in this gigantic industry.”

  9. […] diskutier ich grad bei Metawelle mit, warum manche Künstler ihre unter CC veröffentlichten Alben beim Unterzeichnen eines […]

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