Fast zu schön um wahr zu sein

Als ich bei Starfrosch den Via-Audio-Post entdeckt hatte, kam ich ins grübeln. Kann das wirklich wahr sein? Immerhin wird dort auf über 300 Songs hingewiesen, die allesamt klasse klingen und von hoher Qualität sind. Der Link zu Archive.org lässt mein grübeln nicht weniger werden, denn dort steht lediglich “permission has been given for these files to be made available.“. Auf der Seite der erwähnten Band, sowie auch auf deren Myspaceseite lässt sich zu der Riesenveröffentlichung auch nichts finden, auf der Seite ihres Labels ebenfalls nicht. Klar dass man da ins Grübeln kommen kann, oder? Außerdem kommt da eine Frage auf, die ich mir schon länger stelle.

Kann man auf Archive, Jamendo, Soundclick, Flickr, also große Archive, die auch CC-Content hosten, vertrauen? Die Antwort muss eigentlich lauten: Nein. Denn es kann sich praktisch jeder als Autor oder Urheber eines Werkes ausgeben und den Inhalt unter einer CC-Lizenz veröffentlichen. Angenommen, jemand läd fremde Inhalte “einfach so” bei Archive unter den Bedingungen der CC-Lizenz hoch und Andere nutzen die Inhalte dementsprechend. Wenn nun der echte Urheber oder eine entsprechende Verwertungsgesellschaft gegen einen Nutzer klagt, reicht dann ein Verweis auf die Quelle (in dem Fall Archive.org) aus um sich freizusprechen?

In dem Fall von Via-Audio gehen wir aber alle mal davon aus, dass alles seine Richtigkeit hat, denn die Songs können sich wirklich sehen, bzw. hören lassen.

[Nachtrag:]
Hmm, nachdem ich mir nun alle Songs heruntergeladen und mal durch die Playlist gescrollt habe, bin ich auf dutzende verschiedene Interpreten gestoßen, einige davon auch mit Majorlabelverträgen. Das muss natürlich nichts bedeuten, aber es ist schon sehr unwahrscheinlich dass alle Beteiligten solch einer Veröffentlichung zugestimmt haben, oder? Es wäre ja wie gesagt wirklich schön wenn es so wäre, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Vorallem da der Eintrag bei Archive.org lediglich auf die Band Via Audio hinweist, aber gleichzeitig im Post dutzende andere Bands vertreten sind. All das ist ziemlich merkwürdig. Andererseits gab es schon fast 400000 Downloads und die zählen damit zu den Top5 des letzten Monats in der Rubrik OpenSourceAudio bei Archive.org und außerdem ist der Eintrag schon mindestens 2 Monate alt. Wäre das ein illegaler Download, würde der bestimmt nicht mehr existieren… Wirklich merkwürdig. Ich weiß auch nicht was ich davon nun halten soll. (Ich würde die Songs natürlich sehr gerne der Radioplaylist zufügen… aber nicht bei dem Unsicherheitsfaktor…)

15 Kommentare für “Fast zu schön um wahr zu sein”

  1. Nein, ein Verweis auf die (ungültige) Lizenz dürfte dich nicht vor etwaigen Ansprüchen der Rechteinhaber schützen. Eher könnte dies bei einem Prozess strafmildernd sein, aber auch im Urheberrecht schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Es bleibt allerdings dann sicherlich ein Schadenersatzanspruch deinerseits gegen den Lizenzgeber bestehen. Ob du diesen dann allerdings durchzusetzen in der Lage bist, ist schonmal wieder fraglich, wenn es sich um Leute im Ausland handelt. So zumindest mein Rechtsverständnis.

  2. Nachtrag: In Bezug auf Jamendo kannst du allerdings fast zu 100% davon ausgehen, dort gültige Lizenzen vorzufinden, da dies ein redaktionell erstelltes Angebot ist und beispielsweise aus dem Grund schon keine VÖ von Coverversionen ermöglicht.

  3. Vielleicht könnte das Problem der Authentizität in Zukunft mit Metadaten innerhalb von z.B. Mp3 Dateien gelöst werden??? Dafür müsste es allerdings eine Verwaltung geben, die die Echtheit der Lizenz vergewissern kann… Ich meine so etwas ist auch gerade im Gespräch. Da gab es mal ein Interview auf Netzpolitik.org zu diesem Thema. Mal schauen ob ich das nochmal finde.
    Das könnte in Zukunft zum großen Problem der OpenCulture Bewegung werden… Je populärer CC wird, desto mehr Leute wird es sicherlich geben, die Fremdinhalte einfach als CC-labeln, ohne Urheber zu sein.? Hoffentlich nicht. Aber denkbar wäre das schon…

  4. Kollektive Rechteverwaltung - auf nichts anderes dürfte es hinauslaufen, wenn du dem Wildwuchs einhalt gebieten möchtest. Nur wird es niemals eine 100%ige Kontrollmöglichkeit geben. Gleich recht nicht, wenn ich als Urheber grundsätzlich meine Inhalte im Web veröffentlicht habe. Hier seh ich viel Potential auch in Hinblick auf kommerzielle Verwertung (wie beispielsweise bei Magnatunes) für eine Community mit entsprechenden Diensleistern in diesem Bereich. Allerdings müsste das Urheberrecht dazu weltweit harmonisiert und solche Ausnahmefälle wie von dir angesprochen für den (gutgläubigen) Nutzer ohne Sanktionen, die über das Untersagen der Weiterverbreitung hinausgehen, sein.

  5. kann man spreeblick vertrauen? mp3 bloggen ist immer ein risiko, denn angaben können immer gefälscht werden und absolute sicherheit gibt dir nicht einmal ein vertrag mit dem urheber selber.

    aus dem nähkästchen geplaudert: nicht einmal abklärungen mit suisa oder gema sind in solchen fällen immer eindeutig….ich habe da schon ziemlich üble sachen erlebt, dass gema sagt es sei royalty free und suisa meinte: no.

    http://spreeblick.com/trackback/2007/09/01/protokoll-vom-01-september-2007/

  6. ganz vergessen, bei creative commons gibt es eine initiative welche exakt dieses problem angeht. registered commons. eric poscher gibt sicherlich gerne auskunft zu dieser initiative.

    http://registeredcommons.org/

    hier noch ein hintergrundbeitrag vom netlabelfestival in zürich, an dem registered commons vertreten war
    http://blog.allmend.ch/2006/12/20/registered-commons-was-ist-es-fuer-wen-ist-es-und-von-wem/

    der nächste logische schritt wird eine verwertungsgesellschaft für cc content sein.

  7. registeredcommons.org, genau das meinte ich…
    Und hier ist auch das Interview (als Podcast), das ich meinte:
    http://netzpolitik.org/2006/netzpolitik-podcast-ueber-registered-commons/

  8. Kus, hab gerade gesehen dass du die Direktlinks aus deinem Artikel entfernt hast. Mein Artikel war nicht gegen dich oder Starfrosch gerichtet. Ich wollte nicht beabsichtigen dass die Links entfernt werden. Ich wollte lediglich auf das Problem hinweisen, das wir sicherlich alle kennen: Man bindet Inhalte ein, von denen man ausgeht dass sie CC-lizenziert seien, ohne dass man sich dabei sicher ist. Aber wie du ja auch schon angemerkt hast, kann man sich da nie sicher sein. Ich habe auch schon erlebt dass netlabels veröffentlichungen zurückgezogen haben, da die Band dann doch einen “richtigen” Vertrag mit einem “richtigen” label bekommen hat und die CC-lizenz der Gemamitgliedschaft im Wege stand. Sowas ist blöd (und dazu auch noch rechtlich unhaltbar, da die cc-lizenz nicht auf zeit vergeben werden kann, und dann zurückgezogen wird) und sehr ärgerlich für leute wie uns, die den content weiterverbreiten, bzw. sogar weiterverarbeiten, wie es die lizenz ja eigentlich auch vorsah…

    und noch was: muss man sich jetzt echt registrieren um bei starfrosch einen kommentar zu hinterlassen?

  9. so, inzwischen scheint auch archive.org reagiert zu haben und hat die collection offline genommen. klappt ganz gut die freiwillige selbstkontrolle.

  10. ja, zur zeit muss man sich registrieren um kommentieren zu können. anonyme morddrohungen in den kommentaren waren bis jetzt der höhepunkt, so ein dickes fell habe ich nun doch wieder nicht.

  11. zu 9: das hätte ich nicht gedacht. einerseits richtig, andererseits schade…

    zu 10: morddrohungen? hast du keine ip-adresse von demjenigen? sowas würd ich sofort zur anzeige bringen. es gibt echt ne menge kranker leute… ich hatte auch mal stress mit so jemandem auf einem anderen blog… aber registrieren kann man sich doch bestimmt auch unter einer extra für solche zwecke angelegte emailadresse… insofern schließt man mehr leute aus als dass man sich schützt…

  12. Ich habe auch schon erlebt dass netlabels veröffentlichungen zurückgezogen haben, da die Band dann doch einen “richtigen” Vertrag mit einem “richtigen” label bekommen hat und die CC-lizenz der Gemamitgliedschaft im Wege stand.

    Ja, sowas kommt sogar öfter vor - ich erinnere mich da auch an sehr unfreundliche Gespräche mit Künstlern, die mir dann sogar das Streaming der Songs verbieten wollten. Kurzer Ausflug ins Urheberrecht und meist war dann auch Ruhe. Ich denke auch, dass einfach selbst Künstler stellenweise recht fahrlässig mit der Vergabe etwaiger Lizenzen umgehen und sich der Konsequenzen daraus gar nicht wirklich bewusst sind. Da ist, neben der schon angesprochenen Verwertung und eindeutigen Indentifizierbarkeit, noch eine Menge an Aufklärungsarbeit notwendig. Oder wirklich mal der Beweis, dass CC einer kommerziellen Verwertung so gar nicht im Weg steht. Aber dies glauben die Meisten ja erst, wenn sie es selbst sehen, trauen sich aber nicht, dies auszuprobieren.

  13. zu 11.2: es rentiert nicht via polizei und bakom (bundesamt für kommunikation) einen verwirrten kommentierer dingfest zu machen. aufwand und ertrag stehen in keinem verhältnis.

  14. Via Audio - Kiss Kiss satellite…

    14 stars

    Update: Entfernt nach Lesen des Beitrags von Metawelle. Sollte sonst jemand etwas gegen die Veröffentlichung eines Songs haben, wird Starfrosch jeden Eintrag unverzüglich entfernen. Versprochen….

  15. […] Off-Topic aber trotzdem… So wie es aussieht, lesen den Artikel von neulich nun auch immer mehr Leute, die nicht deutsch verstehen, denn in den letzten Tagen gab es doch […]

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