
Pfeffer erhält erst in gemahlener Form die maximale Schärfe, vorallem wenn er frisch ist. Außerdem kann eine Pfefferpflanze zweimal jährlich geerntet werden. Nun soll dies hier kein Beitrag über Pfeffer werden aber trotzdem ist es angebracht diese Informationen voranzuschicken, denn das vereinfacht eventuell das Verständnis rund um das wahrscheinlich würzigste Netlabel, das den virtuellen Raum zur Zeit mit wunderbar abwechslungsreicher Musik versorgt: The Pepper Mill.
Bescheiden schreiben die Betreiber auf der Seite des Netlabels: “The Peppermill is a fun little netlabel based in the mountains of British Columbia, attempting to make interesting musical art.”
Das Besondere an diesem Netlabel sind kollaborative Arbeiten von diversen internationalen Künstlern und Musikern, die wie bei gemahlenem Pfeffer ein Potenzial erreichen, das in Rohform vorher nicht in einem solchen Ausmaß existierte - so ist vielleicht die Analogie zum Selbstverständnis des Netlabels zu verstehen.
Die erste Veröffentlichung des Netlabels enstand innerhalb einer unglaublichen Zeit von nur 30 Tagen. Am 12. Dezember 2005 nahm ein Künstler einen ersten Song auf und musste damit bis Mitternacht fertig sein, um dann das Ergebnis zu einem weiteren Künstler zu schicken, der wiederum 24 Stunden Zeit hatte ein musikalisches Werk zu erschaffen. Nach 29 weiteren Tagen, diversen Inputs internationaler Künstler (und einem wachsenden Haufen Pfeffer, um bei der Analogie zu bleiben :-) ), war die erste Release des frisch gemahlenen Netlabels fertig: “30 Days“. Noch am selben Tag des Fertigstellens des 30sten und letzten Songs der Serie, ging das Doppelalbum samt Cover am 10. Januar 2006 online. Natürlich unter einer Creative Commons Lizenz.
Musikalisch treffen bei der ersten Release sämtliche Sphären elektronischer Netlabel-Klangkunst aufeinander, die mit einem Gewissen Anspruch ausgestattet ist, trotzdem irgendwie poppig zu wirken. Das zeigen besonders einige herausstechende Stücke des Albums wie z.B. Got Something For Ya von Sunny D. Levine oder A Poem In Slow Motion von Alice Rose.
Es ist jedoch zu beachten, dass das komplette Album als Konzeptalbum zu verstehen und vorallem zu hören ist. Ein Song baut auf den jeweiligen Vorgängertrack entweder musikalisch, stilistisch oder in der Stimmung auf oder bietet zumindest klangtechnisch einen passenden Übergang zum Folgetrack.
Wer nun denkt dies sei nicht mehr zu toppen, der wird von der aktuellen und gleichzeitig achten Release des Labels eines Besseren belehrt.
Während die erste Release sich das Ziel von 30 Songs in 30 Tagen vornahm, birgt die aktuelle Veröffentlichung 52 Tracks, die innerhalb von 52 Wochen produziert wurden: “52 Weeks“. Das Konzept blieb gleich. Jeder Künstler hatte diesmal jedoch eine Woche Zeit einen Song zu vollenden. Interessant ist dabei, dass das Album in Jahreszeiten eingeteilt wurde, die sich musikalisch, sowie stilistisch und genretechnisch in der Musik wiederspiegeln. “Winter was all over the map, stylistically, while Spring was much more acoustic, with real instruments and voices and such… Summer on the other hand was faster, harder, very rhythmic… and then Fall was a combination of things.”
Neben einem elektronischen Schwerpunkt, der dem “30 Days” - Album durchaus ähnelt, sorgen vorallem die Spring-Songs für eine Überraschung. Leichtfüßig und frühlingshaft kommen die poplastigen Indie/Folk/Acousticelectro/Pop-Songs daher und sorgen damit für eine langerwartete, hochqualitative und abwechslungsreiche Veröffentlichung in diesem Bereich. Auch wenn mein persönlicher Geschmack definitiv zu diesem Teil des Samplers tendiert, sei auch hier darauf hingewiesen, dass das Album als Gesamtkonzept angedacht ist und sich nur beim kompletten Durchhören vollends entfaltet. Das nimmt allerdings einige Zeit in Anspruch, denn die 52 Songs haben eine Gesamtlänge von fast zwei einhalb Stunden - und die sind ziemlich würzig!
Da der Frühling vor der Tür steht - hier der Frühlings-Teil des Samplers “52 Weeks”:
Montag - Un don d’ovules porteur de vie (BY-NC-ND)
Ghost Bees - Did The Red Sea Part? (BY-NC-ND)
Liger - Oh, Chicken Feathers! (BY-NC-ND)
Candy Claws - Poni Rides (BY-NC-ND)
Airship Island Growns (BY-NC-ND)
Polichinelle - Using Tacos To Catch A Thief (BY-NC-ND)
Eddie The Rat - Cosmonauts Dont Like Returning To Earth (BY-NC-ND)
The Winks - Dark Matter Revealed (BY-NC-ND)
Santosh - Man Leaves Fortune To Tortoise! (BY-NC-ND)
Peter Fuhry - Japanese Robot Likes Sushi, Fears President (BY-NC-ND)
These United States - A Day To Float The Bahnar Boat (BY-NC-ND)
Vandaveer - The Gregarious Brain (BY-NC-ND)
Broken Deer - New View Of Doomed Star (BY-NC-ND)
V.A. - 52 Weeks (ZIP) (BY-NC-ND)
52 Weeks @ The Pepper Mill
52 Weeks @ Archive.org
V.A. - 30 Days (ZIP) (BY-NC-ND)
30 Days @ The Pepper Mill
30 Days @ Archive.org
The Pepper Mill (Offizielle Seite)