walheimat

Ein alter Hut muß nicht notwendigerweise ein unschöner Hut sein. Diesen Gedanken hat man offensichtlich im Hause Piepmatz vor wenigen Wochen geführt und hat sich dazu entschlossen eine Zusammenarbeit mit dem Kieler Liedermacher Walheimat zu wagen. Der Mann hat nicht etwa eine neue Platte aufgenommen, nein, er hat sich viel mehr dazu entschlossen eine bereits vorhandene EP der interessierten Welt frei zugänglich zu machen. Das Ganze ergibt dann die insgesamt sechzehnte Release des sympathischen Netlabels aus Dresden: Das Sofa hier ist unbequem.

Besonderheit an der Geschichte ist nun vor allem, daß bei Netlabels tendenziell eher selten deutschsprachige Singer/Songwriter unterkommen. Womöglich liegt das auch daran, daß die Zeichen der Zeit nicht unbedingt auf Folk und vergleichbarem stehen, sondern daß Herr und Frau Hipster lieber kryptisches über elektronisches stottern. Piepmatz-Records ist da bisher glücklicherweise recht trendresistent geblieben. In der Kategorie der deutschsprachigen Popularmusik ist man sicherlich eine von wenigen Ausnahmen, aber man hat auch dort vielfach auf Gruppen gesetzt, so daß Walheimat schon fast eine kleine Abwechslung im Piepmatz-Katalog darstellt. Ganz klassisch, als Mann mit Gitarre, kann man Walheimat zwar hin und wieder bei Auftritten erleben, doch auf Das Sofa hier ist unbequem gesellen sich noch einige weitere Instrumente dazu. Das bedeutet nun aber in keinem Fall, daß der Fokus hier auf der Musik liegen würde. Liedermacher werden vor allem an ihren Texten gemessen und Walheimat ist, zusätzliche Instrumente hin oder her, noch immer so etwas wie ein Liedermacher.

“Sie schreiben nur noch Lieder, die keiner versteht. Der gemästete Wortschatz ist ausgeschöpft. Frag mich nicht, was noch geht. Du meinst Totgesagte leben länger und ich dachte mir nur: Dann sterbe ich wohl niemals.”

Zugegeben, so gut, wie manch anderer dieser Zunft, lässt sich Walheimat nicht konsumieren. Das geht alles nicht so locker runter wie bei Reinhard Mey. Jedes der sechs Lieder der EP kommt überaus schroff daher. Es geht, wie der Titel schon nahelegt, ganz viel um Unbequemlichkeiten. Wir bewegen uns aber weder im politisierten Parolengedresche, noch im nicht enden wollenden Gejammer mit Emoanstrich. Walheimat setzt auch nicht auf das große Geschichtenerzählen, Walheimat gibt kleine Einblicke in seine Welt und er wird dabei nur selten sehr konkret. Durch diesen Verzicht auf das Detail wird der Hörer automatisch dazu genötigt sich selbst ein wenig Gedanken zu machen. Walheimat erklärt uns nicht sein Leben und kommt ebenfalls nicht mit dem Zeigefinger daher, will uns also auch nicht unser Leben erklären.

Wer noch auf ungekünstelte, ehrliche Musik stehen sollte, die sich vielleicht erst beim zweiten Hören erschließt, der sollte unbedingt mal in Das Sofa hier ist unbequem reinhören. Die Platte ist bereits im späten August bei Piepmatz erschienen und als Selbstveröffentlichung ein gutes Jahr früher – alter Hut, aber gut.

Links:

- Ein freier Download beim Internet-Archive
- Die EP zum Anfassen bei Piepmatz-Records
- Die obligatorische Myspace-Seite von Walheimat


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Comments ( 3 )

[...] die megawelle auf metawelle [...]

meine güte: “alte hüte” « added these pithy words on Nov 16 08 at 9:06 pm

[...] cordes (u.a. aaahh-records, byteFM, griesgram der grobe & elvis von boedefeld) auf metawelle. alte hüte damit freue ich mich über die [...]

erinnerungen « added these pithy words on Mar 10 09 at 10:00 am

Henning, das sind ja gleich mehrere Überraschungen gleichzeitig. Besser als jedes Ü-Ei. Sehr, sehr toll.

Christian added these pithy words on Nov 09 08 at 11:54 pm

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